3 Fragen zum Freitag – ??? (Ausgabe 2)

Nachdem die erste Ausgabe der 3 Fragen zum Freitag – ??? gleich ein echter Abräumer war und aus dem Stand zu meinem erfolgreichsten Post des Jahres 2019 avancierte, musste ich mir 2 Fragen stellen. Findet ihr alle meine Comicrezensionen so scheiße? Kommt schon, da muss doch mindestens eine dabei gewesen sein, die euch gut gefallen hat? Spaß beiseite, ich weiß schon, es war halt ein persönlicher Artikel, da wird es halt immer ein bisschen spannender.

So soll es freitags auch weitergehen. Daher nun zur zweiten Frage. Mit welchen drei Themenblöcken werde ich euch diese Woche zuschwallern? Ich habe mir drei Sachen ausgesucht, die mich diese Woche bewegt haben.

1. Andreas, fährst du gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

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Eigentlich, ja. Ich fahre gerne Bus und finde den Zug das beste Transportmittel überhaupt. Das einzige Problem, das ich habe, ist, wenn diese blöden Verkehrsmittel nicht zuverlässig fahren. Offensichtlich gibt es hier Parallelen zwischen Deutschland und Irland. Ich plaudere mal aus dem Nähkästchen.

Rendsburg ist derzeit wohl die bestabgeschotteste Stadt in ganz Deutschland. Wenn der Tunnel durch den Nord-Ostsee-Kanal zu ist und die Schwebefähre halt schon jahrelang nicht erneuert wird, bleiben nur wenige Wege über den Kanal. Der Buss muss da durch. Verstehe ich alles, denn ich bin ein verständiger Teilnehmer am öffentlichen Personennahverkehr. Wenn der Bus aber anstelle von 7:24 Uhr gar nicht kommt und ich infolgedessen 40 Minuten laufen muss, um auf der anderen Kanalseite einen anderen Bus nehmen zu können, finde ich das nicht witzig. Passierte übrigens jeden Tag.

Gegenstück hier in Irland. An der Bushaltestelle meines Vertrauens kommt laut Fahrplan der erste Bus um 7 Uhr, danach in 20-minütigen Abständen die weitere Flotte. Das fand ich gut. Allerdings musste ich lernen, dass faktisch der erste Bus so zwischen 7:34 und 7:52 Uhr eintrudelt, je nachdem, wie er in Dublin zuvor durchgekommen ist. Auch das ist wirklich blöd. Es ist wohlgemerkt der erste Bus, ich kann keinen früheren nehmen. Auf Arbeit bin ich bereits der notorische Zu-spät-Kommer, der mit fadenscheinigen Entschuldigungen wie: der Bus war zu spät, wenig Kreativität versprüht. Naja, ist mir egal, ich kann es nicht ändern.

In diesen Fällen mag ich die öffentlichen Verkehrsmittel nicht. Und da habe ich noch gar nicht von der Deutschen Bahn gesprochen. Ich habe schon Wochen, ja vielleicht Monate, auf irgendwelchen Bahnhöfen und Gleisen zugebracht, völlig sinnfrei und ohne Beschäftigung, einfach nur, weil die Bahn nicht so fährt wie sie fahren soll, Das ist gelinde gesagt eine Katastrophe. So viel Rückerstattung kann mir die Bahn gar nicht geben, um mich für so eine Zeitspanne zu kompensieren. Meine Zeit ist nämlich unbezahlbar. Da will ich keine 25% Rückerstattung, wenn ich eine Stunde zu spät komme. Da möchte ich meinen Fahrpreis zurück, denn das Versprechen wurde nicht eingehalten. Außerdem 50€ Schadenersatz und ein tolles Abendessen beim Italiener meiner Wahl. Dann können wir reden.

Das läuft hier in Irland anders. So weit ich es sehen konnte, fahren die Züge pünktlich. Es bleibt also Hoffnung. Man sieht, es kann funktionieren. Ich habe entschieden, ich möchte einen Hubschrauber. Das wird mein bevorzugtes Beförderungsmittel. In der Luft ist nicht so viel Stau.

2. Andreas, kommt man ohne Geld auch durch?

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Irgendwie muss es gehen. Es geschah mir in der vergangenen Woche so. Ich hatte mein ganzes Geld ausgegeben und erwartete eine satte Überweisung für den nächsten Tag. 20 € hatte ich aufgehoben, damit ich Essen gehen konnte in der Arbeitskantine.

Die Überweisung kam am nächsten Tag nicht. Ich hatte noch 12 €. Ich habe mir nichts dabei gedacht, denn es musste ja nun auf dem Konto landen. Natürlich kam es wieder nicht. Ich hatte noch 2,61 €. Lösung des Problems: Spaghetti. Auch hier in Irland mit leckerer Soße für knapp 1,30 € zu erwerben. Da war noch ein Abend mit Nahrung gesichert, aber am nächsten Tag? Immer noch kein Geld. Ich schrieb eine Mail und fragte, was denn los sein und dass ich auf das Geld warte. Ein Zahlendreher verhinderte die Überweisung. Man versicherte mir, die Transaktion würde nun gleich vorgenommen und das lande morgen auf dem Konto. Half mir an diesem Abend nicht mehr. Mit knurrendem Magen und einer Wasserflasche für 50 Eurocent ging ich ins Bett. Am nächsten Morgen war meine Überweisung da.

Ohne Geld lebt es sich schlecht, egal wo und es nervt enorm, wenn man sich nicht das kaufen kann, was man gerade haben will. Sollte uns nicht genau dieser Tatbestand zu denken geben? Ja, das sollte er. Manchmal gar nicht verkehrt, sich ein bisschen zu limitieren. Mal mit weniger auskommen. Mal etwas nicht kaufen. Ich fand es toll, gezielt durch den Supermarkt zu gehen und zu schauen, wie ich strategisch meine 2,61 € einsetze, damit ich den größtmöglichen Ertrag für mich erreiche.

3. Andreas, wie stehst du zu Rassismus?

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Finde ich scheiße. Menschen, die ihn praktizieren, finde ich hohl. Diejenigen, die von sich behaupten keine Rassisten zu sein, während sie den Parolen hinterherlaufen, finde ich mindestens genauso hohl. Das fasst es in der Kürze eigentlich zusammen.

Ich verstehe es wirklich nicht, wie man eine Arroganz aufbringen kann, die nach außen transportiert, man sei etwas besseres als jemand anderes. Und das auch noch mit Hautfarbe oder ethnischer Herkunft zu erklären. Allein schon diese faszinierenden rechtsradikalen ideologischen Erklärungsansätze, die von brachialer Dummheit nur so triefen. Ich verstehe es wirklich nicht, wie man dabei sein kann. Dass man das gut finden kann.

Möchte ich, dass solche Menschen mein Dasein bestimmen? Nein, auf gar keinen Fall. Sie dürfen es nicht, sie können es noch nicht einmal. In keiner Gesellschaft lässt man sich von den Dummen regieren. Warum sollte man damit anfangen?

Ich verachte jede Form von Rassismus aufs Tiefste und möchte mit den Menschen, die für einen solchen Rassismus, der Menschen verachtet, stehen, nichts zu tun haben.

So, das waren meine kleinen Abhandlungen zu dieser Woche. Ich hoffe, ihr findet die Kraft in euch das Ganze wieder kräftig zu kommentieren. Der Austausch mit euch macht Spaß. Ich möchte gerne mehr davon.

3 Fragen zum Freitag – ???

Ich möchte gerne ein bisschen etwas verändern auf meinem Blog und beginne nun einmal damit, euch mit etwas völlig Neuem zu konfrontieren. Also nicht erschrecken, es tut nicht weh und kostet auch nichts.

Die „Drei Fragen zum Freitag – ???“ sind Dinge zu allen Bereichen des Lebens, von denen ich mir wünschen würde, es würde mich jemand mal danach fragen. Es tut ja keiner, das ist ja mein Problem. Dabei würde ich so gerne meinen Senf dazu geben. Jetzt müsst ihr es halt ertragen.

Also, wir fangen mal an:

1. Andreas, warum bist du eigentlich nach Irland ausgewandert?

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Das ging innerhalb der EU ja ganz einfach.

Das ist leider keine Frage, die ich leicht beantworten kann. Ich habe mich, glaube ich, einfach mal nach einer deutlichen Veränderung gesehnt. Ich will euch sagen, was ein wichtiger Beweggrund war: ich schleppte nach meiner ersten Ehe so viele Dinge immer weiter mit und wurde sie nicht richtig los. Jetzt ist es mir gelungen einen Schnitt zu machen und mit meiner neuen Partnerin anzufangen. Das war wichtig.

Ansonsten mag ich das Land und die Leute, aber ich möchte jetzt nicht wie jemand klingen, der hier einmal im Urlaub war und sich danach sofort zum Auswandern entschieden hat. Das war nämlich nicht so. Ich kenne Irland schon etwa 30 Jahre lang und habe verschiedene Teile der Insel gesehen. Ich weiß durchaus, dass hier längst auch nicht alles in Ordnung ist und es zumindest zweifelhaft ist, ob es besser als Deutschland ist.

Ich finde aber, dass der Vergleich ohnehin hinkt. Welches Land ist schon besser als das andere? Kann man das überhaupt so aufbrechen? Ich denke nicht! Irland hat mir einen Arbeitsvertrag geboten, mit einer unbefristeten Arbeitsstelle und das hat Deutschland parallel nicht getan. Das war ein wichtiger Faktor. Ich arbeite hier im Callcenter als Agent. Das ist so ziemlich das Niedrigste vom Niedrigen. Trotzdem ist die Bezahlung gut, da kann ich nicht klagen. Die Kollegen sind nett und kommen aus der ganzen Welt, das macht Spaß. Und auch die Chefs und Teamleiter sind nett. Ich habe bisher den immer kolportierten Druck auf die Agents noch nicht erlebt, zumindest hier nicht.

Erfüllt mich diese Aufgabe? Nein, natürlich nicht. Es ist leicht verdientes Geld, nicht unwichtig in einer Auswanderung. Ich kann mir tollere Sachen vorstellen, aber es ist auch nicht schlimm. Ich gehe gerne dorthin, freue mich auf meine Kollegen. Drum herum kann ich das irische Leben genießen.

Natürlich bedeutete die Auswanderung auch Abschied in verschiedene Richtungen. Meinen Vater musste ich zurücklassen. Er ist gut aufgehoben und fühlt sich so weit wohl, versteht mich nicht falsch, aber es war schon schwierig, da ich immer das Gefühl habe, dass ich mich irgendwie um ihn kümmern muss. Nach dem ersten Schock hat er mir gleich gesagt, dass ich das machen soll und ich mein Leben leben muss. Da habe ich ihn mal beim Wort genommen.

Mein Sohn, der immer nach Irland gehen wollte, hat sich urplötzlich dagegen entschieden. Ist einfach zu seiner Mutter gegangen, in die Niederlande. Warum er das getan hat, kann mir bisher niemand erklären. Ich vermisse ihn sehr, aber auch da muss ich die Entscheidung eines fast 18-jährigen akzeptieren.

Ansonsten hat mir Deutschland zuletzt nichts als Ärger bereitet. Es machte wirklich keinen Spaß mehr. In Irland liegt auch viel im Argen. Die Mietpreise sind astronomisch, zumindest in und um Dublin, und stellen London als billiges Pflaster dar. Das Gesundheitssystem ist verglichen mit Deutschland eine Lachnummer. Du musst alles bezahlen, vom Arztbesuch bis zum Medikament. Ermäßigungen gibt es nur über teure private Zusatzversicherungen. Konsequenz ist, die meisten Iren, die ich kennen gelernt habe, haben gar keine Krankenversicherung. Die Lebensmittelpreise sind auch höher, aber mit Aldi und Lidl kann man sich durchschlagen. Das alles fand ich aber weniger schlimm als Deutschland zuletzt. Ist einfach so, ich kann es nicht ändern.

Ich hatte als 50-jähriger Mensch das Gefühl noch ein Abenteuer in mir drin zu haben. Aber mache ich so etwas auch noch in zehn Jahren? Vielleicht, aber eher unwahrscheinlich. Die Chance war jetzt da und ich hatte das Gefühl, sie jetzt ergreifen zu müssen. Es war vielleicht die letzte Chance so etwas zu machen. Jetzt sitze ich also hier und finde es gar nicht so schlecht.

2. Warst du in Irland schon einmal in einem Laden nach Graphic Novels schauen?

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Ein bisschen war es zum Heulen!

Na klar! Ich bin in Dublin zu einem Termin mit meiner Anmeldung gewesen. Da ich so ewig auf den Bus warten musste, bin ich in einen Buchladen gegangen, der mich extrem geflasht hat. Das ging unheimlich tief rein und die hatten in engen Regalgängen einfach alles, wirklich alles, alles außer Graphic Novels.

Naja, das stimmt nicht ganz. Es gab Graphic Novels, aber moderat. Eine kleine Wand mit vier Billy-Regalen war aufgebaut um die gesammelten Schätze zu präsentieren. Was mich zutiefst schockierte – 50% waren locker Marvel und DC. So viel? Kommt schon…

Der Rest war ebenfalls meist amerikanisch. Da waren schon die eine oder andere gute Geschichte dabei, aber man konnte die interessanten Sachen an einer Hand abzählen. 80% Superhelden, 10% andere Alben und 10% unidentifizierbarer Kram. Da ist das Interesse doch recht eindimensional. Was mache ich hier also mit meinen geliebten franko-belgischen Werken? Keine Ahnung. Keiner kennt die hier und es versteht sie auch keiner, denn es gibt sie ja gar nicht übersetzt. Ok, Asterix und Tim und Struppi haben es über das Wasser hierher geschafft. Aber das war es auch schon fast. Echt strange.

Ich muss mir wirklich etwas überlegen. In den nächsten Wochen werde ich für euch eine Neuerscheinung hier in Irland für euch rezensieren. Mal schauen, für was ich mich entscheide. Es ist nicht einfach.

3. Was hat dich zuletzt am meisten geärgert?

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Ich bin meistens derjenige, über den ich mich richtig ärgere.

Ich habe mich zuletzt am meisten über mich selbst geärgert. Letzten Freitag wollte ich von der Arbeit noch zu den Läden laufen, da ich noch ein paar Einkäufe brauchte. Kaum war ich losgelaufen, begann es zu schütten. Meine Jacke hielt das nicht durch und ich fühlte es an vielen Stellen an meinem Körper wirklich kalt und feucht werden.

Ich war Einkaufen und auch schon wieder ein bisschen getrocknet, als ich entscheide nun definitiv den Bus nach Hause zu nehmen. Ich schaue auf die Bus-App und stelle erschreckt fest, dass es noch 37 Minuten sind, ehe der Bus abfährt. Da bin ich ja schneller, wenn ich laufe. Ich schaue mir also kurz das Wetter an und nehme meinen Mut in beide Hände und laufe los. Erneut beginnt es nach 10 Minuten im Trockenen so dermaßen zu schütten, dass ich 25 Minuten später völlig durchnässt, verfroren und frustriert zu Hause ankam. Ihr könnt euch vorstellen, wie es weiter ging. Die Erkältung, und was für eine, ließ nicht lange auf sich warten und ab Dienstag lag ich platt wie eine Flunder im Bett. Richtig bescheuert. Es geht mir jetzt gerade erst wieder so einigermaßen besser.

Irgendwie lustig, irgendwie aber auch nicht.

 

So, das waren meine ersten drei Fragen. Lasst mich bitte wissen, ob euch dieses Format gefällt, dann werde ich es beibehalten. Ansonsten dürft ihr auch gerne Fragen anregen, die ich dann in der Folgewoche beantworte. Das darf potentiell alles sein, ich habe da wenig Bedingungen. Ich weiß ja nicht viel, aber gebe trotzdem immer gerne meine Meinung dazu. Ich freue mich auf euer Feedback.

Kolonialgräuel in Afrika

„Africa Dreams“ ist eine Graphic Novel von Maryse und Jean-François Charles mit den Zeichnungen von Frédéric Bihel und ist im April 2019 im Splitter-Verlag erschienen.

Die Handlung spielt hauptsächlich im ausgehenden 19. Jahrhundert im Kongo-Freistaat im Besitz des belgischen Königs Leopold II. Aus mehreren Perspektiven wird die grauenvolle Kongopolitik Belgiens und seines Monarchen dargestellt und die Ausbeutung des Landes und seiner Menschen thematisiert. Der Missionar Paul Delisle und der Forscher Henry Morton Stanley sind zwei der wechselnden Protagonisten der Geschichte. An ihrem Leben werden die Auswüchse der Kolonialpolitik dargestellt, die schließlich in den „Kongogräueln“ enden.

Weiterlesen „Kolonialgräuel in Afrika“

Werwölfe in Virginia – Moonshine!

Der Mond ist ein Himmelsstern, der immer wieder gerne in mystischen Horrorszenarien bemüht wird, wenn es besonders obskur zugehen soll. So steht er bereits seit Jahrhunderten für Verwandlung, mit anderen Worten: Werwölfe.

Während in Deutschland eine Diskussion entbrannt ist, ob der endlich zurückgekehrte Wolf denn nun tatsächlich bleiben soll, sind die Werwölfe in Brian Azzarellos und Eduardo Rissos Moonshine offenbar sehr gut in die Gesellschaft integriert und fallen nicht vordergründig auf. Sie existieren nicht in einer Parallelwelt, sondern haben sich ihr eigenes Refugium geschaffen. Getarnt durch einen perfiden Südstaatenclan und illegale Geschäfte. Der Werwolf der 1920er Jahre ist also auch wirtschaftlich orientiert.

Inhalt

Der Mafia-Boss Joe Masseria hat einen neuen Plan gefasst, um die eigenen Geschäfte anzukurbeln. Er beauftragt seinen „freien Mitarbeiter“ Lou damit nach Virginia zu fahren und illegal gebrannten Schnaps anzukaufen. Dieser Schnaps ist der beste Spiritus, den die Welt bisher gesehen hat und er verspricht wahre Reichtümer. Allerdings gestalten sich, kaum angekommen, die Verhandlungen für Lou mit der Holt-Familie nicht ganz einfach. Im Süden ist man Fremden gegenüber nicht besonders aufgeschlossen. Die starke Zurückhaltung hat aber noch andere Gründe, denn die Holts haben noch viel finstere Geheimnisse, die auch für Lou Konsequenzen haben.

Zeichnungen / Stil

Die Zeichnungen sind klassisch amerikanisch, sodass es wie in einem Superheldencomic aussieht. Das besondere ist die Kolorierung, die immer wieder nur auf eingeschränkte Farbkombinationen setzt und so eine karge und bedrückende Atmosphäre schafft. Blau und Orange sind immer wieder vertreten und spielen in verschiedenen Nuancierungen miteinander.

Die Texte sind mitunter lang und es gibt einiges zu lesen. Lou fungiert nicht nur als Hauptfigur, sondern ist auch der Erzähler im Hintergrund. Dies tut er in der Ich-Perspektive. Das wirkt auf den Leser schnell ein, der sich mit Lou, trotz seines kriminellen Lebenswandels, identifizieren kann.

Rezension

Nachdem das erste Geplänkel vorbei ist, wird es in der Geschichte richtig spannend, als die Werwolf-Thematik aufkommt. Es war vorher auch schon angenehm zu lesen, eine Gangstererzählung aus den 1920er Jahren, alles bestens. Jedoch mit den Werwölfen kommt nun Dynamik hinein. Die Autoren schaffen es den Leser bei der Stange zu halten. Wo wird es alles hinführen? Diese Frage stellt man sich regelmäßig bei der Lektüre.

Das älteste schriftliche Zeugnis einer Werwolf-Verwandlung findet sich im babylonischen Gilgamesch-Epos, in dem die Göttin Ischtar einen Menschen in einen Wolf verwandelt. In der Folgezeit wird in allen antiken Kulturen immer wieder vom Mensch berichtet, der zum Wolf werden kann.

Azzarello und Risso nehmen dagegen wenig aus der Antike auf und lassen ihre Werwölfe in struppiger Form auftauchen, wie in klassischen Horrorfilmen. Nicht mehr und nicht weniger möchte diese Graphic Novel auch sein, eine Horrorgeschichte. Ein bisschen zum Gruseln, aber ganz nach Hollywoodmachart auch mit einem Schuss Liebe und Romantik. Dann ist auch wirklich für alle Leser etwas dabei.

An einigen Stellen konnte ich nicht ausmachen, wo die Erzählung gerne hin möchte. Soll es Horror und Mystery werden? Soll die historische Gangstergeschichte im Vordergrund stehen? Ich kann es nicht sagen, denn ich habe es bis zum Ende nicht herausgefunden.

Beides ist gleichwertig vertreten und das funktioniert auch irgendwie. Ich habe diese Graphic Novel durchgelesen und war unterhalten, ohne nun in echte Begeisterungsstürme auszubrechen.

Fazit

Wer den amerikanischen Zeichen- und Erzählstil mag und sich dazu gerne mit mysteriösen abgelegenen Familien beschäftigt, wird Moonshine toll finden. Es bietet eine solide, für meine Begriffe auch mit ansprechender neuartiger Story ausgestattete, actionreiche Handlung. Der Werwolf ist nicht neu, aber so richtig aus der Mode wird er vermutlich nie sein. Das ist schon alles in Ordnung.

Es ist halt in Ordnung. Ich vergebe 3 von 5 Sternen, denn ich konnte den Zugang nicht so richtig finden. Als ich ausgelesen hatte, war es für mich ok. Trotzdem möchte ich gerne wissen, wie es weitergeht. Also muss mich die Geschichte doch irgendwie gefesselt haben.

Lest halt selbst einmal in die Geschichte rein.

Brisant und aktuell: George Orwell im Knesebeck-Verlag

Was ist das für ein hervorragendes Buch gewesen. Der Knesebeck-Verlag hat mich mit George Orwell wirklich umgehauen. Ich vergöttere dieses Buch und würde es am liebsten gleich noch einmal lesen. Die Geschichte des Schriftstellers wird hier biographisch erzählt, aber die Graphic Novel bietet noch viel mehr als nur das.

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In einem feinen Geflecht aus erzähltem Material und Originalzitaten von Orwell, oder Eric Blair, wie er eigentlich hieß, wird der Leser durch die Wirrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geführt. Orwell spielt immer die Hauptrolle, auch wenn er das meist ganz leise tut. Es entfaltet sich die monumentale und auch erschreckende Geschichte von Krieg, Tod und wirren politischen Ideologien, die dieses Zeitalter, wie kein anderes zuvor geprägt haben.

Inhalt

Die Biographie beginnt in der Kindheit Orwells und erzählt von schwierigen Zeiten in Schule und Universität. Erst als er koloniale Erfahrungen sammelt und schließlich zum spanischen Freiheitskämpfer gegen die Franco-Faschisten wird, erkennt er den wahren Charakter der Politik und verabscheut ihn fortan. Sein Werdegang zu einem der bedeutendsten Schriftsteller unserer Epoche wird dann nachgezeichnet bis hin zu seinem Meisterwerk 1984, das er kurz vor seinem Tode beendet.

Stil

Sebastian Verdier verfolgt einen schwarz-weiß angelegten Stil, der immer wieder zwischendurch durchaus bedeutungstragende Farbtupfer erhält. So sind kommunistische Flaggen dann auch rot, Erinnerungen plötzlich mehrfarbig und in kleinen Intermezzi grandiose, seitenfüllende Bilder koloriert. Die Stimmungen des Lebens von George Orwell werden so punktgenau eingefangen.

Story

Als Biographie musste nicht innovativ mit der Geschichte umgegangen werden, aber ich kann dennoch so viel sagen, dass Pierre Christin die Erzählung hervorragend mit den anderen Passagen (Zitaten von Orwell und Exzerpte aus den wichtigsten Romanen) vermischt. Er setzt immer wieder neue Lesereize, die das Geschehen immer wieder sehr spannend machen, ohne dass tatsächlich viel passiert.

Rezension

Schon während der Erzählung in der Kindheit, ist mir das Buch direkt ans Herz gewachsen. Schon zu diesem Zeitpunkt wusste ich, wie ich es bewerten würde. Die Erzählung greift die wichtigsten Eckpunkte des Lebens von Orwell auf und beschreibt auch die innere Entwicklung, die er durchläuft. Vom versnobbten Tory-Briten bis zum Kämpfer für die sozialistische Internationale.

Für Orwell ist ein ganz wichtiger Aspekt, dass die Politik ihn maßlos enttäuschte. Er wendete sich schließlich komplett von ihr ab. Dem Sozialismus widmete er als Abgesang sein Werk Animal Farm , in dem postuliert wird, dass zwar alle gleich seien, aber einige halt doch etwas gleicher seien als die anderen. Grandios! Und auch noch wahr!

Auch 1984 bewegt, wenn der Leser heutzutage erkennt, welche Visionen Orwell 1948 hatte als er das Buch schrieb. Es ist übrigens kein Zufall, dass 48 umgekehrt geschrieben 84 ergibt…

Beides sind Werke, die die Weltliteratur geprägt haben, genau so wie der junge Eric Blair von H.G. Wells Die Zeitmaschine geprägt wurde. Christin bewegt sich nicht in einer Beweihräucherung von Orwells schriftstellerischer Leistung, sondern erwähnt die Werke dezent als Randnotiz. Es wirkt fast so, als ob er diese Bücher schrieb ganz nebenbei, während er sich mit den wichtigen Dingen des Lebens beschäftigte.

Fazit

Ich kann nicht anders und gebe diesem Buch 5 von 5 Sternen. Es bietet einfach alles an, was mir an einer Graphic Novel wichtig ist. Tolle Zeichnungen mit vielen kleinen Details zum Entdecken, eine bewegende Geschichte eines bewegten Lebens, Metaphilosophie und das Gefühl, dass es unendlich schade ist, wenn die letzten Seiten erreicht werden.

Mich hat das Buch bewegt, das merkt ihr sicherlich. Ich kann es locker zu diesem Zeitpunkt zur besten Graphic Novel erklären, die ich 2019 auf den Schreibtisch bekommen habe. Ein großes Lob an den Knesebeck-Verlag, dass der deutschsprachigen Leserschaft dieses Werk zugänglich gemacht wurde. Weiter so! Ich stehe nun übrigens auf Biographie-Graphic Novels.

Pierre Christin / Sebastian Verdier: George Orwell, 152 Seiten, Hardcover, 25 €

 

Klassiker ReRead: Bruno Brazil rettet die Welt mit Kommando Kaiman

Mit Kommando Kaiman geht der französische Topagent Bruno Brazil zum zweiten Mal an den Start. Der All Verlag hat sich auch diese Serie vorgenommen und setzt damit einen zweiten Klassiker ins Rennen um die Gunst der Leser. Der zweite Band hat qualitativ gegenüber dem Debüt noch einmal zugelegt und besonders die Einführung der Kommando-Truppe um Bruno Brazil herum wertet die Geschichte um einiges auf.

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Inhalt

Eine unerkannte Macht schafft es weltweit das Fernsehprogramm zu stören und einen Kaiman als Einzelbild in das Unterbewusstsein der Bevölkerung einzubrennen. Die Macht des Fernsehens ist so groß, dass Bruno Brazil zur Hilfe gerufen wird. Mit einer selbstzusammengestellten Eingreiftruppe soll er den Schurken ausfindig machen und neutralisieren, ehe die Satellitenintervention dazu führen kann, dass erheblich problematischere Botschaften an die Welt verschickt werden können. Ein Abenteuer im brasilianischen Amazonas-Gebiet beginnt.

Stil

Der Stil von William Vance bleibt klassisch-realistisch und ähnelt damit sehr dem ersten Band. Die Farben Grau und Braun dominieren in diesem Band. Ich fand es sehr erstaunlich, dass in einem Band, der auch im Amazonas-Gebiet spielt, die beiden Farben Grün und Blau fast gar keine Rolle spielen.

Story

Die Storyline war diesmal stringenter erzählt als noch im ersten Band. Die Angst vor versteckten Fernsehbotschaften war damals real, denn der Fernseher hatte sich bereits auf den Weg gemacht die ganze Welt zu erobern. In den heutigen Zeiten würde wohl niemand auch nur im entferntesten unruhig werden, nur weil plötzlich ein Kaiman im Bild auftaucht.

Die Geschichte kann an diesen Stellen etwas hölzern wirken, da der Leser hier erkennt, dass Bruno Brazil etwas in die Jahre gekommen ist. Wer sich aber auf die 70er Jahre einlassen kann, wird hier weiterhin ungebremsten Lesespaß empfinden.

© All Verlag (Cover und Abbildungen)

Rezension

Die Geschichte ist erneut an dem weltweiten Erfolg von James Bond orientiert. Bruno Brazil bleibt der Überagent des französischen Geheimdienstes. Nun aber bedient sich Autor Louis Albert eines Kniffs, in dem er ein Team einführt. Nach eigener Aussage lehnt er dieses Team an die Idee der „Glorreichen Sieben“ an, die im Kino ein Welterfolg waren.

Die neuen Teammitglieder haben besondere Fähigkeiten, die sie dazu befähigen, in unterschiedlichen Situationen äußerst nützlich zu sein. Es handelt sich dabei um den Sprengstoffexperten Gaucho Morales, Brunos jüngeren Bruder Billy Brazil, den Draufgänger Big Boy Lafayette, die vom Geist des Indiana Jones beseelte Peitschenlady Whip Rafale und der schnellschießende Cowboy Texas Bronco. Allesamt keine Musterbürger, aber eben effektiv, wenn es um gefährliche Aufträge geht.

Die Geschichte wird vorwärts erzählt und nach einer Einführung in die Problematik, bei der Albert noch einmal dem Leser erklärt, dass die Gefahr von subtilen Botschaften im Fernsehen durchaus authentisch ist, geht es schnell zur Sache. In der Kürze der Zeit geht Albert direkt zum finalen Endkampf über und lässt bewusst Storyelemente eines James Bond-Films aus (verschiedene Handlungsort, amouröse Abenteuer, spektakuläre Coups der Bösewichte). Diese Elemente hätten Bruno Brazil dann wohl auch zu einem legendären Geheimagenten werden lassen und den Comic noch besser.

Fazit

Für die Fans von Bruno Brazil ist der Band natürlich eine schöne Addition zur Sammlung. Auch die Fans von James Bond und entsprechenden Spionagegeschichten à la John Le Carré kommen auf ihre Kosten. Ich halte es aber für unabdingbar, dass der Leser irgendeine Beziehung zu den Siebzigern haben sollte, ansonsten wird er keine inhaltliche Bindung zum Text herstellen können.

Ich vergebe für die lesenswerte Geschichte 3,5 von 5 Sternen. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und werde auch den dritten und vierten Band lesen, sobald sie im September erschienen sind. Bruno Brazil ist ein Klassiker, der diesen Titel wahrlich verdient hat.

Bruno Brazil 2: Kommando Kaiman. All Verlag 2019. 68 Seiten. Hardcover. 15,80 €

Mondgesicht – der Kampf gegen Fanatiker und Diktatoren

Eine wirklich groteske Geschichte hat der Verlag Schreiber & Leser mit der Integralausgabe von Mondgesicht in sein Sortiment übernommen. Die Geschichte einer fiktiven und dennoch sehr real anmutenden Welt ist trostlos und ohne Hoffnung, wenn da nicht Borrado, das Mondgesicht, wäre. Wie ein Film von Starregisseur Federico Fellini übt diese groteske Erzählung aber einen Reiz aus, der es schwer macht, das Buch zur Seite zu legen.

Mondgesicht – Jodorowsky / Boucq

Inhalt

Borrado hat ein Mondgesicht und wird deshalb auch Moon genannt. Er ist ein besonderes Wesen, denn er ist sanft und gutmütig in einer grausamen und harten Welt. Borrado kann selbst dem gewaltigsten Tsunami trotzen und sieht dabei noch aus, als ob er mit den Wellen spielt. Diese Unverwundbarkeit und Leichtigkeit macht ihn zu einer großen Bedrohung für die Herrschenden auf der Insel Damanuestra. Zwischen Rebellen, die ihre letzte Chance kommen sehen und einer dekadenten Oberschicht, die eine Diktatur in tyrannischer Reinkultur aufgebaut hat, bleibt Borrado die Hoffnung auf eine Bastion des Guten, das am Ende siegen wird.

Stil

Die Zeichnungen von François Boucq sind nur halbrealistisch und die Figuren wirken sehr grotesk in ihren Gesichtern und Proportionen. Eine Gruppierung von Rebellen lebt im Untergrund und hat sich fast schon in Ratten verwandelt. Im einzigen Bordell der Insel residiert die überlebensgroße Lola, die es schafft gleich mehrere kleinwirkende Männergestalten auf einmal zu befriedigen. Lola ist ein Star auf der Insel und sie versucht alles zu tun, damit ihr buckliger Sohn Serafino in eine günstige Position gehoben werden kann und sie durch ihn auch Macht außerhalb des Bordells gewinnt. Boucq überzeichnet die Figuren und gibt ihnen damit spezielle Merkmale mit.

Story

Alejandro Jodorowsky ist ein erfahrener Szenarist, der der Geschichte einen gehörigen Spannungsbogen verpasst. Es gibt viel zu entdecken auf der Reise durch die Tyrannei. Im Prinzip ist Mondgesicht ein sehr politisches, aber auch religiöses Buch. Der katholische Glaube auf Damanuestra (ähnelt sehr dem spanischen Begriff nuestra señora und bezieht sich auf Maria) ist verkümmert und nur noch in Bruchstücken erkennbar. Alles ist korrumpiert. Eine Heilige (auch sie ähnelt Maria) wird von einem Fischer-Kult begattet, um Nachkommen zu zeugen. Sie ist aber längst in einem Koma oder auch schon tot. Es bleibt eben grotesk.

Rezension

Szenen wie diese gibt es reichlich in Mondgesicht und so bleibt der Leser, dem immer wieder neue Überraschungen angeboten werden, stets bei der Geschichte. Einige Szenen haben keinen Einfluss auf die Story, sind aber alleinstehend ausgezeichnet dafür zu nutzen, die verklärte, dekadente Welt zu beleuchten.

Aber wo es so viel Schlechtes gibt, muss natürlich auch noch etwas Gutes übrig geblieben sein. Borrado ist nicht alleine. Es gibt Helfer, die ebenfalls ein gutes Herz zu haben scheinen und so rotten sich die Guten zusammen in diesem Band und es ist schon zu erahnen, dass die tyrannische Eierrepublik wahrscheinlich auf ihre letzten Tage einstellen muss. Auch wenn in diesem Integralband noch längst nicht dieser Punkt erreicht wird.

© Verlag Schreiber & Leser (Cover und Abbildungen)

Das Zusammenspiel von Zeichnung und Geschichte ist ausgezeichnet. Beiden Autoren gelingt es die Stimmung auf Damanuestra einzufangen und dem Leser zu transportieren. Es macht wirklich Spaß immer wieder neue Dinge zu entdecken in diesem Endzeitstück. Ja, denn das ist es eigentlich. Die Welt steht am Abgrund und es ist nicht mehr viel übrig. Auch keine Menschlichkeit mehr. Borrado muss also versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Überraschende Einfälle und Szenen, die hier nicht erwartet werden dürfen, machen aus der Geschichte eine geniale Perle der Comicliteratur.

Fazit

Ich vergebe für diese Geschichte starke 4 von 5 Sternen. Das ist mehr als berechtigt. Ich mag die Zeichnungen nicht besonders, aber das ist eine persönliche Sache. Sie sind mehr als passend für das Buch. Die ganze Geschichte hat mich aber gebannt, auch wenn ich sie nicht immer einfach fand. Leichte Kost ist es nicht. Jodorowsky verlangt seinen Lesern etwas ab.

Wer es etwas skurriler mag, ist mit Mondgesicht gut bedient. Es wird sicherlich eine Fangemeinde zu dieser Story geben. Als Einsteiger in die Comicwelt für Erwachsene ist es ein hartes Stück Arbeit. Das wird nicht jeder problemlos bewältigen können.

Eine weitere Rezension findet ihr hier bei Die Zukunft.

Mondgesicht

Integralband 1

Alejandro Jodorowsky, François Boucq

144 Seiten

Hardcover

29,80 €

* Das Buch wurde mir vom Verlag Schreiber & Leser als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.